Handelsblatt iconHandelsblattSep 30, 2026 ~2 min source read

Anleihen sind wieder lukrativ – warum Anleger trotzdem nicht nur auf die Rendite starren sollten

Zinserhöhungen haben Anleiherenditen auf Jahreshöchststände getrieben und machen Staats- und Unternehmensanleihen wieder sichtbar ertragreich. Andrea Cünnen erklärt, welche Chancen bestehen und welche Risiken Anleger aktiv begrenzen sollten.

Märkte Insight: Anleihen sind attraktiv geworden – aber nicht risikofrei

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Renditen sind deutlich gestiegen: Zehnjährige US-Staatsanleihen erreichten über 5,2 Prozent, zehnjährige Bundesanleihen mehr als 3,6 Prozent.

Hohe Renditen bieten Chancen gegenüber Aktien, aber Kursverluste bei weiteren Zinsanstiegen bleiben das zentrale Risiko.

Risikosteuerung erfordert mehr als Laufzeitwahl: Duration, Kreditqualität, Auktionsergebnisse und Realrenditen gehören auf die Checkliste.

# Warum Anleihen jetzt wieder auf dem Radar stehen

Zinssätze sind in den vergangenen Monaten noch weiter gestiegen, nachdem einige Marktteilnehmer bereits im Mai darauf hingewiesen hatten, dass Anleihen attraktiv aussehen. Seither sanken Kurse und die Renditen stiegen weiter. Zehnjährige US-Staatsanleihen erreichten in der Spitze mehr als 5,2 Prozent, deutsche Bundesanleihen gingen über 3,6 Prozent. Das macht Bonitätspapiere wieder ertragreich im Vergleich zu den Vorjahren.

# Chancen: Erträge, die ins Gewicht fallen

Höhere Nominalrenditen verbessern die laufenden Erträge von Staats- und Unternehmensanleihen. In Gesprächen wird häufig darauf verwiesen, dass Anleihen erneut als Alternative zu Aktien wahrgenommen werden können: reale Renditen amerikanischer Staatsanleihen liegen deutlich über vielen Dividendenrenditen breiter Aktienindizes, ein Verhältnis, das historisch selten geworden ist.

# Risiken, die Renditen allein nicht abbilden

Hohe Renditen sind kein Freibrief. Zentrale Risiken:

  • Zinsrisiko (Duration): Wenn die Renditen weiter steigen, fallen Kurse – besonders bei langlaufenden Papieren. Ein starker Renditeanstieg kann zu substanziellen Buchverlusten führen.
  • Kreditrisiko: Firmenanleihen locken mit höheren Coupons, bergen aber Ausfall- und Spreadrisiken, gerade in wirtschaftlich schwächeren Sektoren.
  • Marktstrukturelle Risiken: Schwache Nachfrage bei Staatsanleiheauktionen kann Renditen zusätzlich nach oben treiben und Volatilität erhöhen.
  • Realrendite- und Inflationsrisiko: Nominal hohe Coupons nützen wenig, wenn die Inflation realen Ertrag auffrisst.

# Wie Anleger Risiken praktisch begrenzen können

  • Beurteile Duration, nicht nur Kupon. Kürzere Laufzeiten reduzieren Kursverluste bei einer weiteren Zinswende.
  • Gehe selektiv bei Kreditqualität. Wenn du Unternehmensanleihen suchst, validiere Emittenten-Solvabilität statt nur auf Renditen zu schauen.
  • Beobachte Auktionsergebnisse und Nachfrageindikatoren. Schwache Auktionen haben zuletzt Renditeausbrüche ausgelöst.
  • Vergleiche Realrenditen mit Alternativen. Wenn reale Erträge über Dividendenrenditen liegen, ändert das die Opportunitätsrechnung zwischen Anleihen und Aktien.

# Wo sich vorsichtige Anleger positionieren können

Konservative Investoren finden aktuell wieder akzeptable Laufzeiterträge bei kürzeren staatlichen Papieren und hohen Qualitätsunternehmen mit soliden Bilanzen. Wer mehr Rendite will, kann in höher verzinsliche Unternehmensanleihen gehen – aber nur nach Prüfung der Kreditqualität und mit klarer Begrenzung des Exposure.

# Fazit

Anleihen sind wieder ertragreich, doch höhere Renditen bringen zugleich erhöhte Preisrisiken. Wer das Risiko begrenzen will, sollte nicht nur auf die nominale Verzinsung schauen, sondern aktiv Duration, Kreditqualität, Auktionstrends und Realrenditen managen.

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