Taz iconTazSep 21, 2026 ~6 min source read

Künstlerin fragt: Wie verändert KI das Leben der Kühe und die Arbeit der Bauern?

Carmen Weisskopf untersucht in der Kunsthalle Osnabrück, welche Konsequenzen KI-basierte Lösungen wie der „Cow Comfort Index“ für Tierwohl, Kontrolle und bäuerliche Praxis haben.

Einfluss von KI auf Landwirtschaft: „Immer weniger Menschen können immer mehr Tiere betreuen“

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Künstliche Systeme schaffen Distanz: Landwirtinnen und Landwirte beobachten Tiere via Datenansichten auf iPads statt im direkten Umgang.

Das Projekt „School of Cow Comfort“ führt 18 Monate Gespräche mit Landwirtinnen, KI-Forschenden und Agrarroboter-Expertinnen, um die verschiedenen Perspektiven zusammenzuführen.

Konkrete Technikbeispiele wie das ‚Cow Collar‘ (GPS-Geofencing mit Signalton und Stromschlag) werfen ethische Fragen zur Kontrolle von Tieren auf.

# Worum geht es Die Künstlerin Carmen Weisskopf untersucht, wie KI und Automatisierung in der Milchindustrie umgesetzt werden. Ihr Blick richtet sich auf Systeme wie den Cow Comfort Index (CCI) und die Praktiken, die dadurch in Ställen etabliert werden. Sie fragt, welche Effekte sich daraus für Tierwohl, Arbeitsorganisation und Macht über Technologien ergeben.

# Was ist der Cow Comfort Index? Der CCI stammt aus der industriellen Milchproduktion. Er soll das Verhalten von Kühen in standardisierten Rhythmen messen — Fressen, Bewegen, Hinlegen — mit dem Ziel, hohe Milchproduktion bei „möglichst wenig Leid" zu erreichen. Weisskopf kritisiert, dass der Index ausschließlich Nutztiere betrachtet und dass er menschliche Interaktion zunehmend durch Algorithmen ersetzt.

# Wie verändert KI die Rolle der Landwirtinnen und Landwirte? KI schafft Distanz: Statt direkte Beobachtung findet Arbeit zunehmend am Bildschirm statt. Landwirtinnen sehen Vergleichsansichten der einzelnen Tiere und greifen nur bei Auffälligkeiten ein. Weisskopf fasst das so: "Immer weniger Menschen können immer mehr Tiere betreuen." Das verändert, wer entscheidet, wie Tiere behandelt werden, und wie viel situatives, handwerkliches Wissen täglich gebraucht wird.

# Konkrete Technikbeispiele und ethische Fragen Weisskopf nennt das ‚Cow Collar': ein GPS-Halsband, das Weidezäune virtuell ersetzt. Erreicht ein Tier die Grenze, gibt es erst einen Signalton, dann einen Stromschlag. Solche Technologien erhöhen Kontrolle, werfen aber konkrete ethische Fragen auf: Welche Zwänge werden damit eingerichtet, und wollen wir solche Maßnahmen für Tiere oder Menschen?

# Das Projekt: School of Cow Comfort Die "School of Cow Comfort" an der Kunsthalle Osnabrück ist ein 18‑monatiges Langzeitprojekt und definiert sich als "artistic field research". Weisskopf und ihr Team sprechen mit Landwirtinnen und Landwirten aus der Region sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus KI und Agrarrobotik. Ziel ist nicht, fertige Lösungen anzubieten, sondern einen Raum für Diskussionen zu schaffen, in dem verschiedene Akteure zu Wort kommen.

# Reaktionen aus der Landwirtschaft Laut Weisskopf waren viele Landwirtinnen und Landwirte offen und haben Informationen geteilt. Das Projekt hat aber auch Aufmerksamkeit für Leerstelle erzeugt: Zum Zeitpunkt des Gesprächs wurden Mastkinder, aber keine ausgewachsenen Kühe gezeigt. Weisskopf nennt außerdem, dass neben Landwirtinnen und Wissenschaft auch Tierrechtsorganisationen und Naturschützerinnen in die Debatte gehören.

# Herkunft der Technik und Machtfragen Weisskopf weist darauf hin, dass viele dieser Datenanalyse-Algorithmen nicht lokal entwickelt werden, sondern aus Zentren wie dem Silicon Valley kommen. Das stellt die Frage nach Kompetenz und Verantwortlichkeit: Wer entscheidet über Standards und die Einführung solcher Technologien in regionaler Landwirtschaft?

# Veranstaltungshinweis Die Projektvorstellung der "School of Cow Comfort" mit der "!Mediengruppe Bitnik", dem Künstler Simon Weckert und dem Wissenschaftler Tim Römer (Universität Osnabrück) findet am Donnerstag, 24.9., 19–21 Uhr in der Kunsthalle Osnabrück statt.

# Fazit Weisskopfs Arbeit fragt nicht nach schnellen Lösungen. Sie will Debatten anstoßen: Welche Technologien wollen wir einsetzen, wie verändern sie den Alltag in Ställen, und welche Kontrollmechanismen entstehen dadurch? Die Antworten sind offen, aber die Fragen betreffen direkt Tierwohl, bäuerliche Praxis und technologische Herrschaftsverhältnisse.

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